Schulsozialarbeit des ASB eine "Investition in den Menschen"

Von Hannelore Wiedemann, Wiesbadener Kurier vom 12.03.2010
"Mobbing" - das ist das Wort, das Stephanie Wilhelm, Anke Oehling und Florian Hoenisch, allesamt Sozialarbeiter und -pädagpgen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), am häufigsten zu hören bekommen. Seit einem halben Jahr kümmern sich die drei als Schulsozialarbeiter um kleine und große Sorgen der Schüler an der Nikolaus-August-Otto-Schule.
Mobbing - mit dem Modewort werden inzwischen eine ganze Reihe von Konflikten beschrieben. Mobbing - das ist Streit in der Klasse, zwischen Cliquen aus verschiedenen Dörfern, zwischen Mädchen und Jungs. "Sogar Konflikte aus den Chatrooms werden an die Schule getragen", weiß Sozialpädagoge Florian Hoenisch. Die Schule - eine so große wie die Nikolaus-August-Otto-Schule zumal - ist so etwas wie ein Kristallisationspunkt, an dem gesellschaftliche Veränderungen in Probleme münden.
In den Gesprächen geht es aber auch um Dinge, die es schon immer gab; Liebeskummer zum Beispiel. Doch der überwiegende Teil der Fälle, mit denen es die Schulsozialarbeiter zu tun haben, sind Folge gesellschaftlicher Entwicklungen: immer mehr Alleinerziehende, immer häufiger schwierige familiäre Verhältnisse, Eltern, die immer weniger Zeit für ihre Kinder haben. Denen fehle jemand, mit dem sie reden können, der ihnen Werte vermittele, der Regeln aufstelle und Grenzen setze. "Viele Kinder sitzen zu Hause nur vor dem Computer, haben kaum soziale Kontakte", hat Diplompädagogin Stephanie Wilhelm beobachtet.
Diese Lücke soll die Schulsozialarbeit füllen. "Wir sind immer greifbar und ansprechbar" - vor und nach dem Unterricht sowie in den Pausen können Schüler einfach mal in dem Büro vorbeischauen. Manche sagen nur mal "Hallo", aber es gibt auch Schüler, "die packen aus und erzählen von zu Hause", beschreibt Hoenisch die Anliegen. Vor allem Jugendliche aus den siebten und achten Klassen kämpfen mit Problemen - viele stehen mitten in der Pubertät mit der Suche nach einer eigenen Identität alleine da. Für die wollen die drei Sozialarbeiter zwar keine Ersatz-Eltern, aber Vertrauenspersonen sein.
Das Vertrauen freilich muss erst erworben werden. Und so haben Wilhelm, Oehling und Hoenisch die ersten Wochen an der Schule damit verbracht, sich vorzustellen: bei den Lehrern, im Elternbeirat, in der Schülervertretung. Haben einen Flyer entworfen und waren beim Tag der offenen Tür mit einem Stand vertreten. In etlichen Klassen haben sie Projekte oder Ausflüge begleitet. "Für uns ist das eine zusätzliche Hilfe", hat Schulleiterin Christel Pfau schnell erkannt. Denn in Klassen mit bis zu 30 Schülern können sich Lehrer nur begrenzt um die Probleme einzelner Schüler kümmern.
Derzeit läuft in sechs Gruppen ein soziales Lerntraining. Sechs bis acht Wochen lang besuchen die Sozialarbeiter einmal pro Woche eine Klasse und stellen eine Aufgabe. Da gibt es zum Beispiel eine "Werte-Auktion", bei der Werte wie Rücksichtnahme, Ehrlichkeit oder Treue ersteigert werden können. Und während den Schülern zu Beginn des Spiels noch gutes Aussehen und ein cooles Handy am Wichtigsten schienen, wandelte sich die Bewertung im Laufe des Trainings. Plötzlich standen Gesundheit und Spaß auf der Rangliste ganz oben, so die Erfahrung von Stephanie Wilhelm.
Aber nicht nur Schüler, auch Eltern suchen Hilfe bei den Sozialarbeitern. Besonders, wenn ihre Sprösslinge Verhaltensauffälligkeiten zeigen, ist deren Rat gefragt. Die wiederum laden Jugendliche, bei denen etwas nicht "in Ordnung" ist, zu sich ein. Obwohl dieser Termin freiwillig ist, werde das meist gut angenommen. Etwa fünf bis sechs solcher Problem-Fälle betreuen Hoenisch, Oehling und Wilhelm derzeit. Die unterschiedlichen Erfahrungen, die die drei von ihren früheren Tätigkeiten her mitbringen, verbinden sich im Team zu einem wertvollen Schatz.
Ihre Arbeit halten die drei für eine "Investition in den Menschen". Bei den Schülern bleibe hängen: "Da ist jemand, der sich für mich interessiert."

